Online Content: Ist länger wirklich besser?

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1. Februar 2017

Content für Webseiten zu schreiben, ist häufig ein Balanceakt zwischen sinnvollen Inhalten und suchmaschinenoptimierter Schreibweise. Denn seit Jahren gilt: Google liebt lange, sehr lange Texte.

Aber lieben auch die Leser solche langen Texte? Ich denke, eher nicht.

Als Content-Stratege und Autor sitzt man da immer zwischen zwei Stühlen. Schreibst Du zu wenig, kommt niemand auf deine Seite. Schreibst du zu viel, dann lesen die meisten Menschen deine Texte nicht. „Wie man`s macht, macht man´s verkehrt“, pflegte meine Großmutter in solchen Fällen zu sagen.

Wie relevant ist die Anzahl der Worte?

Doch so langsam wendet sich das Blatt. Denn Google hat erkannt, dass die Wortzahl eines Textes und seine Keyword-Dichte nicht unbedingt etwas über die Relevanz des Artikels für den Leser aussagen. Denn die interessiert vor allem, ob ihre Informationsbedürfnisse erfüllt werden – und nicht dafür, ob die Keyworddichte stimmt.

Deswegen verlegt die Suchmaschine ihren Focus immer mehr auf die Userexperience. So beziehen sich von den zehn Nicht-Keyword-Faktoren, die das Google-Ranking bestimmen, alleine vier auf die Usererfahrung.

Wenig Lesernutzen bedeutet schlechtes Ranking

Das bedeutet, wenn Google immer besser darin wird, die Usererfahrungen auf den Seiten zu tracken, dann werden viele Seiten mit viel Text, aber wenig Lesernutzen im Ranking deutlich abfallen.

Folge dieser Entwicklung: Es geht nicht mehr darum, möglichst lange, mit den richtigen Keywörtern gespickte Texte zu schreiben. Stattdessen müssen die Artikel so lang sein, dass die User sie gerne lesen. Aber dafür muss man wissen, was die Kunden wirklich auf der Seite wollen.

Langer Content wird nicht zu Ende gelesen

Das ist gar nicht so schwierig, wie es sich im ersten Augenblick anhört. Das zeigen ein paar Beispiele, die ich kürzlich im Blog der Analysefirma Kissmetric gefunden habe.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich persönlich lese sehr lange Beiträge nur in den seltensten Fällen ganz bis zum Schluss. Wenn mich ein Artikel nicht besonders fesselt, lese ich nicht einmal kurze Texte ganz bis zu Ende.

Anscheinend geht es vielen Lesern ähnlich. Denn in einer Untersuchung der amerikanischen Analysefirma Chartbeat zeigte sich, dass kaum ein Leser einen Blog Post bis zu Ende las. Die meisten steigen schon deutlich vorher aus.

Haben Sie sich also die Mühe gemacht, eine Marktanalyse mit mehr als 8.000 Wörtern zu schreiben, dann bekommt dieser Artikel sicherlich ein gutes Ranking bei Google. Aber kaum ein Leser wird den Text soweit lesen, dass er ihre Schlussfolgerung am Ende des Artikels mitbekommt.

Bringt das Ihr Business weiter? Darüber ließe sich diskutieren.

Zu viel Content, zu wenig relevante Informationen

Das ist vor allem bei vielen Landingpages ein Thema. Hier gibt es Seiten, die sind voll von tollen Content. Aber der geht einfach in der Masse aller Inhalte auf der entsprechenden Landingpage unter. Wahrscheinlich ist die Information, die ein potenzieller Kunde sucht, irgendwo auf der Seite versteckt. Aber wahrscheinlich findet dieser Kunde seine Information in der Masse nicht. Und ist dann mit ihrer Seite unzufrieden.

Um den User und potentiellen Kunden zufrieden zu stellen, braucht es also gar nicht unbedingt viel und langen Content. Ganz im Gegenteil: je länger die Texte sind, umso weniger werden die Menschen lesen und umso niedriger ist dann auch die Konversionsrate.

Doch wie findet man heraus, was die passende Länge für das eigene Publikum ist? Da reicht häufig schon ein einfacher Text.

Kurzer Content funktioniert besser

Mobiler Content auf einem Smartphonebildschirm

Auf dem Smartphone funktioniert kurzer Content besser

Wenn es darum geht, die Konversionsrate zu optimieren, konzentrieren sich viele Unternehmen auf Seitenelemente wie Überschriften, Formulare, Call-to-Action-Buttons und mehr. Die Länge der entsprechenden Texte scheint nicht so wichtig.

Das ist ein Fehler. Denn gerade auf die Textlänge kommt es an.

Das haben die Redakteure von OURrescue gemerkt, als sie ihre Website optimierten. OURrescue ist eine gemeinnützige Organisation, die Kinder aus den Fängen von Menschenhändlerringen befreit.

Um diese Rettungsmaßnahmen zu finanzieren, betreibt OURrescue einen Blog, auf dem die Mitarbeiter ihre häufig herzzerbrechenden Missionen schildern. Jeder Blogbeitrag endet mit der Bitte um eine Spende, umso weitere Rettungen zu finanzieren.

Wie in den meisten anderen Blogs auch, sind die Texte von OURrescue mindestens 1.500 Wörter lang. Häufig auch deutlich länger. Die Zahl der Spenden, die dadurch hereinkommen ist anständig, aber auch nicht überwältigend. Sind die Texte also zu lang? Zu kurz?

Um also herauszufinden, ob die Textlänge etwas mit dem Spendenaufkommen zu tun hat, variierten die OURrescue-Redakteure die Länge Ihrer Inhalte. Dazu schrieben sie von verschiedenen Texte jeweils eine kurze (542 Wörter), eine mittlere (1050 Wörter) und eine lange (1750 Wörter) Version.

Danach untersuchte OURrescue,

  • wie weit die Leser in dem jeweiligen Text nach unten scrollten
  • wie lange sie auf der Seite blieben
  • und wie das Spendenaufkommen pro Text war.

In der Kürze liegt die Würze

Wie das Ergebnis auf einem Desktop-Rechner aussieht, kann man sich schon denken. Je länger der Artikel waren, desto länger blieben die Besucher auf der Seite. Das macht Sinn. Schließlich braucht man für längere Texte auch mehr Zeit zum Lesen.

Mehr Spenden generierten aber die mittleren Texte mit im Schnitt 1055 Wörtern. Zwar blieben die Leser hier nicht so lange. Dafür lasen sie die Texte aber bis zum Schluss und sahen dann die am Textende folgende Bitte um eine Spende.

Als spannend erwies sich die Auswertung der mobilen Zugriffe. Hier hatten die längsten Texte jetzt die kürzeste Zugriffszeit. Am längsten gelesen wurden die mittellangen Texte. Doch die meisten Spenden kamen durch die kurzen Texte herein. Bei denen war das Spendenaufkommen fast doppelt so hoch, wie bei den längeren Textversionen.

Die “ideale Länge” eines Textes variiert also zwischen Desktop und mobiler Nutzung. Dort verschaffte die Kurzversion 80 Prozent und auf dem Desktop die mittlere mehr als 30 Prozent höhere Spenden.

Das zeigt sehr deutlich, dass die Verweildauer auf der Page eigentlich keinen Einfluss auf den Erfolg einer Webpage hat. Ob der User findet, was er sucht, dagegen schon.

Was in der Vergangenheit galt, nämlich lange Texte sind gut für Google, macht nach und nach keinen Sinn mehr. Denn Google, aber auch die User, Leser und potenziellen Kunden draußen vor dem Bildschirm suchen vor allem nach Inhalten, die ihr Suchbedürfniss erfüllen und ihnen so auf der gefundenen Website ein Erfolgserlebnis verschaffen.

Das bedeutet, der Content muss nicht lang sein. Er muss nur die richtige Länge für das entsprechende Publikum haben.

{ 4 Kommentare… read them below or Kommentar hinzufügen }

Heiko - SEOCouch Februar 11, 2017 um 18:30 Uhr

Es kommt überhaupt nicht auf die Länge des Artikels an, sondern darauf ob er sein Ziel erreicht oder nicht. Befindet man sich allerdings in einer nicht unerheblichen Wettbewerbssituation, hat man mit kurzen Artikeln oder Seiten, kaum eine Chance. Holistische Artikel sind dann eigentlich Gang und Gebe und die sind in den meisten Fälle auch umfangreicher, als die Artikel auf der zweiten oder dritten SERP.

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Geert Schmelzer Februar 13, 2017 um 11:09 Uhr

Aber damit ein Artikel sein Ziel erreichen kann, ist auch die Länge wichtig. Nicht jedes Thema lässt sich beliebig auf jede beliebige Länge bringen. Und nicht jeder Leser möchte jedes Thema in jeder Länge lesen. Also ist die Länge richtig, die ausreicht, damit der Leser/Kunde/Interessant die gesuchten Informationen bekommt,nicht gelangweilt abbricht und letztendlich das tut, wozu in der CTA auffordert.

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Wiltrud Sann Februar 14, 2017 um 16:57 Uhr

Dieser Artikel zeigt genau, auf was es ankommt: Er ist zu lang. Der User-Nutzen zu gering. Bis zum Ende habe ich ihn nicht gelesen.

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Geert Schmelzer Februar 14, 2017 um 17:07 Uhr

Hallo Frau Sann,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Schade, dass sie knapp 500 Wörter schon zu lang finden. Vielleicht haben wir demnächst einen passenderen Artikel für Sie.

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