Deutsche Wirtschaft verzettelt sich bei der Digitalisierung

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24. April 2019

Bei der Digitalisierung droht die deutschen Wirtschaft anscheinend abgehängt zu werden. Denn nur zwölf Prozent der hiesigen Unternehmen betrachten die Digitalisierung als wichtigste Aufgabe, so eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Sopra Steria.

Für 81 Prozent der befragten Unternehmen ist das Thema zwar wichtig. Doch auch hier ist die digitale Transformation nur eine Aufgabe unter vielen, so ein Ergebnis der Studie. Die nennt auch gleich Gründe, warum das so sein könnte. Demnach ist es erst jedem vierten Unternehmen gelungen, mit digitalen Geschäftsmodellen den Umsatz zu steigern. Dementsprechend ist die Mehrheit der befragten Firmen mit dem bisher Erreichten nicht zufrieden. Sieben von zehn Befragten bewerten das eigene Unternehmen deshalb nur mit der Note befriedigend oder schlechter, bei der Frage, wie gut das eigene Unternehmen auf die digitale Transformation eingestellt ist.

„Die größten Digitalisierungserfolge erzielen Unternehmen derzeit auf der Kostenseite. Geht es um Wachstumsimpulse, denken Entscheider vielfach noch nicht radikal genug“, sagt Simon Oberle, Leiter Future Management von Sopra Steria Next. „Viele konzentrieren sich darauf, bewährte analoge Abläufe durch digitale nur zu verbessern, statt über komplett neu konzipierte Kanäle und Prozesse mit Kunden zu sprechen, gemeinsame Standards für Plattformen zu entwickeln oder in die digitale Infrastruktur zu investieren.“

Besonders wichtig sei es, genau diese bestehenden Strukturen aufzubrechen. 59 Prozent der Unternehmen geben zu, dass ausgerechnet die durch nicht integrierte Software und Daten fortbestehenden Silos zu den größten Hindernissen bei der digitalen Transformation gehören. Ohne eine durchgängig digitalisierte Datenautobahn (Ende-zu-Ende) bleiben viele der digitalen Vorteile reine Zukunftsmusik.

Know-how-Lücke als Frustfaktor

Eine weitere Baustelle ist das nötige Fachwissen. Jedes zweite Unternehmen beklagt, dass das notwendige Know-how fehlt, um die digitale Transformation zu meistern. 42 Prozent bemängeln eine IT, die nicht flexibel genug ist, um sie für die neuen Aufgaben fit zu machen. Zudem leiden 37 Prozent unter zu langsam getroffenen Entscheidungen und zumindest teilweise unter zu vielen Beteiligten sowie einer starren Hierarchie. „Die digitale Transformation erfasst von der IT-Technik bis zur Organisation das gesamte Unternehmen“, so Simon Oberle. „Das müssen vor allem die Verantwortlichen unbedingt verinnerlichen und die Belegschaft abholen.“

Der Experte plädiert deshalb dafür, die digitale Transformation zur Chefsache zu machen und immer wieder darüber zu sprechen. Eine Gefahr sieht Simon Oberle darin, das Thema einfach zu delegieren. 54 Prozent der befragten Firmen haben beispielsweise eine eigene Digitaleinheit gegründet. Aus den Augen, aus dem Sinn – das dürfe auf keinen Fall passieren, warnt der Digitalexperte. „Wer eine eigene Digitaleinheit aufbaut, darf sie anschließend nicht im Keller verstecken, sondern muss ihr eine starke Stellung im Unternehmen geben.“

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